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Fachtagung 2008

"Verändertes NGL in geändertem Bedingungsfeld"

Bericht von der Jahrestagung 2008

Vom 8. bis zum 10. Februar 2008 tagte im Wallfahrtsort Vierzehnheiligen (Erzdiözese Bamberg) die "Überdiözesane Fachtagung NGL". 50 Texter und Komponisten, Diözesanbeauftragte und Vertreter von Arbeitskreisen trafen sich auf Einladung des Referats musisch-kulturelle Bildung der "Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz" zu Austausch und kritischer kollegialer Beratung.
Der Studienteil widmete sich diesmal der (kirchen-)politischen Dimension des NGL. Das Eingangsreferat von Dr. Peter Hahnen arbeitete die zeitgeschichtlichen Bezüge des Genres heraus. "Das NGL - nicht der religiöse Schlager - war gesungener Ausdruck eines Programms der ethischen Selbstreflexion, aber auch der engagierten Kirchen- und Liturgiereform. Dieses Bedingungsfeld des NGL hat sich mittlerweile geändert. Als Lied einer Zeit und eines Bedarfs hat es sich mit geänderter Zeit selber auch modifiziert. So wie die Programme der Kirchenreform und der Politischen Theologie sich wandelten, und teilweise auch durch institutionelle Eingriffe verdrängt wurden, wandelte sich auch das Lied." Manche der damaligen Songs wirken - so Hahnen - heute entsprechend anachronistisch und das gälte auch für neue Songs, die so aussähen wie früher. Auch heute aber sei das NGL ein "Lied mit Zeitansage, das nicht mit dem Rücken zur Tagesschau singen will". Die politische Dimension jedoch finde sich heute in den gelungenen Werken des Genres eher "mit dem Florett als mit der Machete" formuliert und sei poetischer gewandet.
Franz-Josef Ruwe (Münster) skizzierte in seinem Referat den Begriff des Politischen und die gegenwärtigen Versuche der Konfliktverdrängung und Manipulation, von denen Christen heute herausgefordert sind. Es zeige sich, dass im Bereich der öffentlichen politischen Diskussion die aus den Freikirchen der USA importierte Frage "What would Jesus do?" zu einer monistischen Position führen kann, die mit ihrer Rechthaberei keinen Raum für legitime politische Alternativen lässt. Ruwes Beitrag machte deutlich, dass das NGL auf dem schmalen Grat wandelt, sich entweder als eine Stimme im Konzert legitimer Vielfalt zu verstehen oder ein selbstgenügsamer Stein des Anstoßes sein zu wollen.

Es war schließlich an der Musikwissenschaftlerin Dr. Mechthild von Schoenebeck, Professorin an der Universität Dortmund, aufzuzeigen, dass Lieder auch in geändertem Bedingungsfeld Sozialisationsinstanzen mit politischem Potenzial sind. In ihrem Vortrag "Zwischen Engagement und Eskapismus" wies sie nach, welchen politisch-sozialen Stellenwert das Singen (und Hören) von Liedern im Laufe der Geschichte hatte. Dabei zeigte sich, dass gerade in Deutschland die Tradition des gesungenen Volkslieds durch den Missbrauch in der Zeit des Nationalsozialismus abgerissen ist. Im Nachkriegsdeutschland und unter den Bedingungen der fernsehgerechten Produktion von so genannten Volksmusiksendungen werden heute "echte Bedürfnisse der Zuschauer aufgegriffen - Singen, Mitfühlen, Teil einer Gemeinschaft sein - und mit Ersatz-Produkten bedient." Als Teil manipulativer Emotionalisierungstendenzen seien Lieder zum Werkzeug des "Rückzugs in eine konfliktfreie, realitätsferne Sphäre" geworden. "Der Spaßfaktor hat die Oberhand gewonnen."

Für viele Kinder und Jugendliche aber sei die Jugendpastoral der einzige Ort, an dem sie Erfahrungen machen können, die über den Alltag hinausweisen: spirituelle, ästhetische, soziale Erfahrungen. Hier sei das Erleben und Ausleben durch das NGL von zentraler Bedeutung. Kirchenlieder - auch NGL- seien nicht leicht konsumierbar und müssten echt sein in dem Sinne, dass (nicht nur junge) Leute sie sich zu eigen machen und selbst etwas mit ihnen ausdrücken können. Lieder, in denen sie ihre Gedanken und Gefühle wieder finden können." Surrogate hingegen ersetzen Wirklichkeit, das NGL stehe in der Tradition echten Ausdrucks und stehe im Gegensatz zu dem, was heute vielfach als populäre und Volksmusik angeboten wird. Von Schoenebeck ermutigte zu Songs, die "von den Menschen angenommen und gern gesungen" werden.

Das Vorbereitungsteam der Tagung hatte wieder viel Zeit vorgesehen, neue Lieder vorzustellen und kritisch zu besprechen. Wie für die Fachtagung NGL üblich, fand das Treffen im gemeinsamen Gottesdienst, dem diesmal mit Alois Albrecht einer der Vorreiter des NGL vorstand, einen seiner Höhepunkte.

F.J.Ruwe

 
Initiator
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Kurzstatements
Im Studienteil der Fachtagung NGL 2008 fanden u.a. Arbeitsgruppen statt, deren Moderatoren vorab gebeten worden waren, inhaltlich Position zu beziehen zu einer Äußerung Fulbert Steffenskys: "Ein guter theologischer Satz zeichnet sich dadurch aus, dass er einen Freund hat und einen Gegner. Er hat Interessen." Es war eingeladen worden, sich kritisch mit dieser Forderung auseinanderzusetzen und so das Gespräch in den Kleingruppen anzuregen. Wir dokumentieren im Folgenden einige dieser Statements und danken den Autoren für Ihre freundliche Unterstützung.