Fachtagung 2007
"Das Neue Geistliche Lied - ein Medium menschenfreundlicher Liturgie"
19. "Überdiözesane Fachtagung Neues Geistliches Lied"
Welche Bedeutung hat das Neue Geistliche Lied für die Liturgie heute - mehr als 40 Jahre nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums? Diese Frage stand im Mittelpunkt der 19. "Überdiözesanen Fachtagung Neues Geistliches Lied", die dieses Jahr in Münster zu Gast war. Die wichtigsten Komponisten und Texter der Szene, interessierte Kirchenmusiker und Wissenschaftler waren auf Einladung der "Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz" (afj), zusammen gekommen, um neue Lieder und Projekte vorzustellen und zu erörtern, wie NGL zu einer einladenden, menschenfreundlichen Liturgie beitragen können.
Dass sich das NGL heute ausdrücklich liturgisch verortet, ist für die Kreativen eine Selbstverständlichkeit. Das NGL versteht sich als "wichtiges Medium, den Gottesdienst der Kirche würdig und menschennah zu feiern. Es will eine Brücke zwischen Tradition und Gegenwart schlagen, ohne das eine wie das andere zu verraten.", fasst Tagungsleiter Dr. Peter Hahnen, zuständiger Referent bei der afj, das Anliegen des NGL zusammen. Wenn sich das NGL um eine menschenfreundliche Liturgie bemüht, will es "eine Beziehungskunst zwischen liturgischer Leitung und versammelter Gemeinde schaffen. Liturgie soll durchdrungen werden, indem auch diese Lieder Gesten und Szenen unterstützen, darstellen und deuten helfen."
Ansprüche
Deckt sich dieses Selbstverständnis aber mit der Sicht der Vorsteher und Laien in den Gemeinden vor Ort? Welchen Stellenwert räumen sie dem NGL in der Liturgie ein? Die Podiumsdiskussion mit Weihbischof Heinrich Timmerevers, Liturgiewissenschaftler Dr. Stefan Rau, Pfarrer Dr. Siegfried Kleymann und der ehrenamtlich engagierten Gerlinde Kersting offenbarte klare Wertschätzung: "NGL darf und muss eine Ergänzung und auch ein Ausgleich zu einer eher traditionellen Liturgie sein." betont Bischof Timmerevers, der Mitglied der Jugendkommission der Dt. Bischofskonferenz ist und mit dem NGL vor allem in Firmgottesdiensten zu tun hat. "Ich erwarte dabei allerdings eine hohe Sensibilität für Text und Melodie, damit der Charakter der Liturgie feiernden Gemeinde erhalten bleibt." Inhalte, Strukturen und Spannungsbögen der liturgischen Feiern seien ebenso zu beachten, wie auf eine praktische Singbarkeit der Lieder Wert gelegt werden müsse. Vor allem aber forderten die Podiumsgäste von den Textern, Komponisten und Kirchenmusikern Qualität ein.
Beeindruckende Praxis
Wie menschenfreundliche Liturgie mit NGL gelingen kann, davon konnte man sich im kreativen Teil des Studientags ein Bild machen. In beeindruckenden Präsentationen stellten die Künstler Ideen, Projekte und Methoden aus ihrer Arbeit vor, die von eindrücklicher Liturgie zeugten: die den ganzen Menschen anspricht, wo Lieder, Texte und Musik den Rahmen schaffen für eine erhebende und einladende Feier, wo für einige Augenblicke die Nähe Gottes spürbar wird.
Aber auch die neu vorgestellten NGL - mehr als 60 Seiten umfasste die Notensammlung mit aktuellen Neuerscheinungen - zeugen von einem ausgeprägten Liturgiebewusstsein. Etliche Stücke überzeugten nicht nur wegen ihrer musikalischen Qualität und Kreativität, sondern auch wegen ihres "Gebrauchswertes", ihrer Tauglichkeit für die liturgische Verwendung.
Fragen an die Kirchenmusik der Zukunft
NGL haben ihren Platz in der Liturgie behauptet, das hat der Studienteil der Tagung eindrucksvoll gezeigt. Doch werden sie auch im Neuen Gebet- und Gesangbuch angemessen berücksichtigt werden? Dies war nur eine der Fragen, die die Teilnehmer im Konferenzteil beschäftigte. Welchen Spielraum werden neue Lieder künftig bei der Gestaltung der Ordinariumsgesänge haben, wenn - wie von Matthias Balzer aus der Arbeitsgruppe Lieder zu erfahren war -, Messtexte nicht mehr als Paraphrasen in den Gesängen des neuen Gotteslobs vorkommen sollen. Und warum wird die kirchenmusikalische Hochschule St. Gregoriushaus in Aachen still und nahezu protestlos geschlossen, die doch Wert auf eine fundierte musikalische UND liturgische Ausbildung ihrer Kirchenmusiker gelegt hatte? Werden hier nicht wertvolle Strukturen zur liturgischen Bildung achtlos aufgegeben, ohne sinnvolle Alternativen bedacht zu haben?
Diese Fragen nehmen die Teilnehmer der Fachtagung NGL mit ins nächste Jahr. 2008 werden sie im Bistum Bamberg zu Gast sein und sich mit der gesellschaftlichen Dimension des NGL beschäftigen.
Monika Cajkovac



