Fachtagung 2005
"Gegen das Geläut der Leute?"
17. Überdiözesane Fachtagung Neues Geistliches Lied
"Dass die Medien das NGL bisweilen verharmlosen, damit müssen und können Sie angesichts der tatsächlichen Bedeutung in der gemeindlichen Praxis leben. Welche schönere Anerkennung gibt es, als wenn Tausende Ihre Lieder mit Begeisterung singen?" Mit diesem Rat überraschte WDR Redakteur Arnd Richter die Teilnehmer der 17. Überdiözesanen Fachtagung Neues Geistliches Lied. 50 Komponisten, Texter, Wissenschaftler und Multiplikatoren des NGL hatten sich vom 11. bis 13. Februar auf Einladung der "Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz" (afj) auf der Marienburg in Zell a. d. Mosel versammelt, um in diesem Jahr die Medienresonanz des Neuen Geistlichen Liedes in den Blick zu nehmen.
Dass dies nötig ist, schien außer Frage: "Die Berichterstattung zum Neuen Geistlichen Lied zeigt sich immer wieder von den gleichen Klischees geprägt. Irgendwo verortet zwischen Schlagern wie DANKE und Profitobjekten wie JESUS CHRIST SUPERSTAR, verwechselt mancher Journalist das NGL mit einem Stimmungsköder, um junge Leute in die Kirchen zu holen. Von außen betrachtet, ohne persönliche kirchliche und gottesdienstliche Praxis, wirkt das NGL - und das ist szenetypisch - leicht putzig." - fasste Tagungsleiter Dr. Peter Hahnen, Referent für musisch-kulturelle Bildung bei der afj, seine Eindrücke von der Außenwahrnehmung des NGL zusammen.
Wie sich verzeichnende Stereotype in Presse, Hörfunk, Fernsehen und Internet widerspiegeln, illustrierte die Medienschau der Freiburger Germanistin Monika Cajkovac. Dabei zeigte sich, dass die regelmäßig wiederkehrenden Diskussionen um Qualität und Zukunftspotenzial des NGL den Blick vorzugsweise auf die Schwächen der Lieder lenken. Der wahre Wert dieser Musik, wie er im kirchlichen Alltag wahrgenommen wird, scheint Journalisten nur schwer vermittelbar. Thomas Quast (Komponist des Ensembles RUHAMA) bestätigte demgegenüber in seinem Statement das binnenkirchliche Profil des NGL als spirituelle Zeitansage und Medium zur Glaubensstärkung. "Es ist Musik, die Ausdruck echter participatio actuosa sein will, und sich aus der eigenen spirituellen Erfahrung vermittelt. Mit Spaß, Freude, Engagement und Authentizität muss ich davon singen, wovon mein Herz voll ist", so fasste er zusammen.
Wie aber passt so etwas in die Medienlandschaft? Gute Gründe, den Medienexperten um Rat zu fragen. Arnd Richter, Rundfunkredakteur in der Kultursparte des WDR mit Aufgaben in der Programmleitung des Kölner Senders, ehemaliger Presbyter und selber kirchenmusikalisch sozialisiert, kannte die Problematik, sah allerdings wenig Handlungsspielraum: Kirchliche Themen in der Presse zu platzieren sei generell äußerst schwierig, und das NGL als Teilbereich dieses riesigen Themenkomplexes habe es nochmal schwerer wahrgenommen zu werden. Radiosender sind an vorgegebene Playlists gebunden und haben keinen Platz für das Genre. Natürlich - so Richter - gäbe es Möglichkeiten, die Medienwahmehmung zu beeinflussen. Lokale Bezüge, aktuelle Ereignisse oder prominente Persönlichkeiten sichern die Aufmerksamkeit der Journalisten. "Wenn Sie in die Presse wollen, brauchen Sie eine Interessenvertretung. Füttern sie die Medien gezielt und dosiert mit professionell aufbereiteten Informationen! Und denken Sie daran, Sie haben eine Bringschuld, kein Journalist hat eine irgendeine Holschuld!" lauteten einige seiner Tipps für eine effektivere Pressearbeit.
Wenn die NGL - Kreativen in diesen drei Tagen zahlreiche neue Lieder und Projekte vorstellten und durchaus kritisch diskutierten, wurde wieder deutlich: Nur wer diese Stücke selbst singt und erlebt, ahnt welche Bedeutung sie im Leben haben können. Hoffnungs - Lieder, wie sie der Arzt Arndt Büssing mit todbedrohten Krebspatienten singt; Lebenslieder von Kathi Stimmer-Salzeder, deren Glaubensinnigkeit ansteckt, oder die Litanei des holländischen Komponisten Albert Arens, die verschüttete Marienfrömmigkeit anfacht. Solche Lieder gedeihen selten in medialer Öffentlichkeit, aber haben personale, spirituelle Relevanz und: wachsen jenseits aller müden Repertoirewiederholung nach: An die 100 Seiten war der Liedersammlung dick, die auf der Marienburg "durchgearbeitet" wurde.
Für Diskussionsstoff sorgten (neben der anstehenden Schließung der KHK in Aachen) die Arbeiten am Neuen Gebet - und Gesangbuch (GGB). Die Berichte von Dr. Eberhard Amon, Geschäftsführer der Unterkommission GGB, und Ordinariatsrat Matthias Balzer aus Trier, Mitglied in der Arbeitsgruppe Lieder, zeigten, dass für den Stellenwert des NGL im neuen Gesangbuch auch weiterhin gestritten werden muss und die GGB - Verantwortlichen von der Erfahrungs- und Fachkompetenz der auf der Marienburg versammelten Fachleute durchaus noch profitieren könnten.
Die nächste Überdiözesane Fachtagung Neues Geistliches Lied findet vom 3. bis 5. März 2006 in Freiburg statt. Geplant ist, dann einen Blick auf die "Kraftquellen" des NGL zu werfen.
Monika Cajkovac



